Das Kontensystem für Selbstständige: Umsatz, Gewinn, Rücklage, Vermögen
Wenn ich Selbstständige frage, wie viele Konten sie haben, sagen die meisten: zwei. Eins fürs Geschäft, eins privat. Und dann frage ich: Weißt du, wie viel von dem Geld auf deinem Geschäftskonto dir wirklich gehört? Meistens kommt Stille.
Das Problem: Wenn alles auf einem Konto liegt, siehst du eine Zahl. Aber du weißt nicht, was davon Steuern sind, was Rücklage sein sollte, was du dir auszahlen darfst und was Vermögensaufbau sein könnte. Du triffst finanzielle Entscheidungen auf Basis einer Zahl, die lügt.
Das 6-Konten-System
Es gibt ein bewährtes Prinzip, das ich für Selbstständige angepasst habe: Statt ein Konto für alles zu haben, teilst du dein Geld automatisch auf mehrere Konten auf. Jedes Konto hat einen Zweck. Und jedes Konto bekommt einen festen Prozentsatz.
Konto 1: Firmenkonto (Eingang)
Hier kommt alles rein. Jede Rechnung, jeder Auftrag. Das ist der Startpunkt. Aber hier bleibt nichts liegen.
Konto 2: Steuerkonto
Sofort nach Geldeingang geht ein fester Prozentsatz (ich empfehle 25 bis 30 Prozent) auf ein separates Steuerkonto. Das Geld ist nicht deins, es gehört dem Finanzamt. Behandle es so, und du hast nie wieder Stress mit der Steuererklärung.
Konto 3: Privatkonto (Unternehmerlohn)
Dein festes Gehalt. Maximal 45 Prozent vom Umsatz. Geht jeden Monat automatisch raus. Davon lebst du. Nicht mehr, nicht weniger.
Konto 4: Vermögenskonto
Mindestens 10 Prozent von allem, was reinkommt. Der Teil, der dein Vermögen aufbaut. Hier gilt der wichtigste Grundsatz: Bezahle dich selbst zuerst. Genau das passiert hier. Dieses Konto wird nicht angefasst.
Konto 5: Rücklagenkonto
Für unerwartete Ausgaben, schlechte Monate, Investitionen. Zwischen 5 und 10 Prozent. Dein Puffer. Er gibt dir die Ruhe, aus Klarheit zu entscheiden statt aus Panik.
Konto 6: Spaß-Konto
Ja, wirklich. Ein kleiner Prozentsatz (5 Prozent reichen) für Dinge, die dir Freude machen. Ohne schlechtes Gewissen. Klingt nebensächlich, ist es aber nicht. Wenn du nie etwas für dich ausgibst, hältst du das System nicht durch. Es muss sich auch gut anfühlen. Denn Sparen und gut leben ist kein Widerspruch.
Warum das funktioniert
Weil du nicht mehr raten musst. Du schaust aufs Privatkonto und weißt: Das ist meins. Du schaust aufs Vermögenskonto und siehst es wachsen. Du schaust aufs Steuerkonto und hast keinen Stress mit dem Finanzamt. Und beim Firmenkonto weißt du genau, was für laufende Kosten bestimmt ist.
Der Aufwand? Ein Nachmittag bei deiner Bank. Konten einrichten, Daueraufträge anlegen, fertig. Der Effekt? Du hörst auf, dein Geld zu schätzen, und fängst an, es zu steuern.
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Heiko Stahnke
Der Autor
Business-Mentor für Selbstständige. Über 20 Jahre Finanzen und Vertrieb, mehr als 60.000 Abschlüsse – und die eigene Erfahrung, dass guter Umsatz allein noch kein Vermögen macht. Heute gibt er genau das System weiter, das bei ihm selbst funktioniert hat: ehrlich, bodenständig, ohne Guru-Gehabe.

